Historie

Historie 2017-06-20T10:51:56+00:00

Der Weg zum VfB Lübeck

Die Jahre von 1919 bis heute sind eine so bewegte Zeit mit geschichtlichen Ereignissen von einmaliger Bedeutung, dass der Blick zurück nicht nur lohnt, sondern Verpflichtung wird.

Nicht selten stößt man bei der Recherche auf widersprüchliche oder schlicht falsche Darstellungen der historischen Entwicklung unseres VfB, zum Teil sogar in einigen Festzeitschriften. So gibt es sogar Irritationen, die den Glauben erwecken, der VfB Lübeck sei direkter Nachfolger des Polizei SV. Richtig ist vielmehr, dass der VfB Rechtsnachfolger des 1933 von den Nationalsozialisten verbotenen BSV Vorwärts ist.

Begonnen hat es 1919 mit dem „Ballspielverein Vorwärts“, der sich aus dem losen Verband des Straßenfußballclubs „Hansa“ bildete. 1921 wurde die „Sportvereinigung Polizei Lübeck“ ins Leben gerufen, die dann im Jahr 1931 den „VfR Lübeck“ in seine Reihen aufnahm. Der VfR setzte sich seinerzeit aus den Vereinen „Allemania“ und „Germania Lübeck“ zusammen.

Die beiden Vereine entwickelten in den Jahren nach ihrer Gründung einen regen Sportbetrieb und konnten bei ständig wachsenden Mitgliederzahlen ein umfangreiches Repertoire an Sparten aufweisen. Auch di ersten sportlichen Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Die Lübecker Bevölkerung nahm regen Anteil am sportlichen Geschehen.

Umso mehr hat es sie getroffen, als 1933 die zwangsweise Auflösung des „BSV Vorwärts von 1919“ erfolgte. Die NSDAP war an die Macht gekommen. Alle Arbeiter-Sportvereine wurden verboten und ihr Vermögen, die Sportplätze und Sportgeräte wurden beschlagnahmt.

Zur gleichen Zeit wurde der spätere Gründer des VfB, Friedrich Grabner, wegen gewerkschaftlicher Tätigkeit und eindeutigen Äußerungen bzgl. der Nationalsozialisten aus dem Polizeidienst entlassen und von der Mitgliederliste der „Sportvereinigung Polizei Lübeck“, in der er Abteilungsleiter war, gestrichen.

Der „Polizei SV“ wurde Nachfolger der „Sportgemeinschaft Polizei Lübeck“, die schon 1932 über 50 Prozent Zivilisten als Mitglieder hatte. 1938 hatte der Polizei SV seinen Höhepunkt als Ausrichter der Polizeimeisterschaften Deutschlands. Im selben Jahr wurde auch die Lohmühle ausgebaut. Die Arbeitersportvereine hatten 1924 unter der Federführung des damaligen „ATSV Lübeck“ – heute „TuS Lübeck“ – den Platz neben der Müllkippe angelegt. Nach dem Verbot dieser Vereine wurde der Sportplatz bei der Lohmühle dem „Polizei SV“ übergeben, der bis 1936 auf dem Kasernenbrink spielte, aber dann der Wehrmacht weichen musste.

Die Kriegsjahre von 1938 bis 1945 rissen ein tiefes Loch in die Reihen der Akteure aller Vereine. Dennoch ließen es sich die zurückgekehrten Aktiven des „Ballspielvereins Vorwärts“ und des „Polizeisportvereins“ nicht nehmen, gleich nach Kriegsende einen neuen gemeinsamen Anfang zu suchen. Sie wollten wieder in einem Verein Sport treiben, obwohl oder weil es ihnen schlecht ging, sie ohne ausreichende Ernährung waren und selten ausreichend Wohnraum zur Verfügung hatten.

So nahmen die 1933 aus dem Polizeidienst entlassenen Naziverfolgten um Friedrich Grabner (Tidow, Facklam, Knaack, Koop und andere) Kontakt zu den ebenfalls 1933 ausgeschalteten „Alten“ des „BSV Vorwärts“ um Fritz Ehlers auf. Der englischen Besatzungsmacht war Friedrich Grabner als Sprecher der Verhandlungsriege für die „VfB-Geburt“ offensichtlich der passende Partner. Dem BSV Vorwärts wurde das „Recht auf Wiedergutmachung“ zugestanden und der „Verein für Bewegungsspiele Lübeck von 1919“ als Nachfolgeverein des BSV Vorwärts akzeptiert. Polizeivereine wie auch andere „Behördenvereine“ waren in vielen Bezirken der Besatzungszonen verboten. Die im Zuge der Gründungsverhandlungen beantragte Fusion mit der früheren „Sportgemeinschaft Polizei Lübeck“, die vor 1933 mehr als 50 Prozent zivile Mitglieder hatte, wurde genehmigt. Der VfB Lübeck war der erste Sportverein, der 1945 in Lübeck wieder gegründet wurde.

Als der Sportbetrieb im VfB aufgenommen wurde, standen in erster Linie ehemalige aktive Sportler des letzten Polizeivereins zur Verfügung, denn der „BSV Vorwärts“ war ja 12 Jahre lang verboten gewesen. Von der damaligen sportlichen Entwicklung her kann sich der VfB ebenso als Nachfolger der „Sportgemeinschaft Polizei Lübeck“ verstehen. Die Lizenz hatte der BSV Vorwärts bekommen und die „Sportvereinigung“ klinkte sich ein.

Die Idee zur Namensgebung „Verein für Bewegungsspiele“ hatte der unvergessene trickreiche Stürmer Karl Wenzel, den die englischen Soldaten in ihr Herz geschlossen hatten und bei den Spielen auf dem Kasernenhof in der Fackenburger Allee mit „Blondi, Blondi“ anfeuerten.

1.April 1919
Gründung des Ballspielverein
Vorwärts Lübeck

sv-polizei-luebeck24. August 1921
Gründung der Sportvereinigung
Polizei Lübeck e. V.

1923
Fusion vom FK Allemannia Lübeck (gegründet am 25. März 1905) und dem Lübecker FC Germania (gegründet 1913) zum VfR Lübeck.

Das Logo des VfB Lübeck bis zu Beginn der 50er Jahre.

Das aktuelle Logo des VfB hat seit Ende der 1990er Jahre Bestand.