Rolf Martin Landerl im Interview

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Rolf Martin Landerl im Interview

Am vergangenen Donnerstag lag unser Lohmühlen ECHO in Form eines Halbjahres-Hefts der Gesamtauflage der Lübecker Nachrichten bei. Darin enthalten war ein Interview mit unserem neuen Trainer Rolf Martin Landerl, das wir an dieser Stelle noch einmal präsentieren.

Lohmühlen ECHO: Hallo Rolf, schön, dass du (bald) wieder da bist. Welche Erinnerungen hast du noch an deine Zeit in Lübeck?

Rolf Martin Landerl: An Lübeck habe ich durchweg gute Erinnerungen und bis heute noch Kontakt mit Freundschaften, die ich in dieser Periode schließen konnte.

Lohmühlen ECHO: Du hast Frau und bald drei Kinder. Wieviel Überzeugungsarbeit für eine Rückkehr nach Lübeck war notwendig?

Landerl: Klarerweise sind die Voraussetzungen jetzt anders als zu meiner Zeit als Spieler beim VfB Lübeck. Meine Kinder sind ab Sommer beide schulpflichtig und wir bekommen noch Zuwachs. Organisatorisch ist da einiges zu bewältigen. Trotzdem musste ich keine große Überzeugungsarbeit leisten, da meine Frau auch sehr gute Erinnerungen an Lübeck hat. Außerdem sieht sie auch für mich die Aufgabe, den VfB Lübeck mit seinen mittel- und langfristigen Zielen wieder einen Schritt voranzubringen, als sehr reizvoll an. Dafür bin ich ihr natürlich sehr dankbar.

Lohmühlen ECHO: 2011 hast du den VfB verlassen. Was hast du seitdem gemacht?

Landerl: Nach meiner Rückkehr nach Österreich habe ich noch zwei Jahre beim Viertligisten St. Margarethen gespielt und als Technik- und Individualtrainer beim VfB Admira Wacker in der Akademie gearbeitet. Nach einem halben Jahr als Spielertrainer beim oben genannten Verein bekam ich das Angebot, die Admira Wacker Juniors in der Regionalliga Ost zu coachen, wo ich mittlerweile in der dritten Saison tätig bin. Nebenbei habe ich den Fußballbereich in einem Gymnasium als Fußballlehrer betreut. Zudem habe ich die mir noch fehlenden Trainerdiplome absolviert und kann jetzt mit der UEFA Profi-Lizenz im Sack voll angreifen.

Lohmühlen ECHO: Wie würdest du dich als Trainer charakterisieren?

Landerl: Optimistisch, mir selbst treu, kommunikativ und detailbewusst.

Lohmühlen ECHO: Auf welche Spielweise dürfen sich unsere Fans freuen? Eher Klopps Hurra-Fußball oder lieber di Matteos Catenaccio?

Landerl: In erster Linie probiere ich keinen Stil zu kopieren, sondern einen eigenen für meine Mannschaft zu kreieren. Leidenschaftlicher, ehrlicher Fußball gepaart mit einer spielerischen Dominanz und Flexibilität sehe ich als meine ideale Spielauffassung.

Lohmühlen ECHO: Du bist in der Welt viel rumgekommen, hast viele Vereine und dementsprechend Trainer erlebt. Neben Peter Schubert in Lübeck waren auch in Deutschland bekannte Namen wie Werner Lorant und Bert van Marwijk dabei. Was übernimmt der Trainer Landerl von seinen ehemaligen Trainern für die tägliche Arbeit?

Landerl: Eine weitreichende Antwort würde hier den Rahmen sprengen, aber ich habe tatsächlich von den meisten Trainern etwas mitnehmen können. Sowohl Positives als auch Dinge, die ich anders machen würde. Bert van Marwijk war ein Meister im Wechselspiel, Teil der Mannschaft und ‚Herr von Marwijk‘. Bei Werner Lorant spielte Mentalität eine große Rolle. Das Wort Müdigkeit kam in seinem Wörterbuch nicht vor.

Lohmühlen ECHO: Während deiner aktiven Zeit in Lübeck hast du mal erklärt, „Globetrotter aus Leidenschaft“ zu sein. Wie plant der Trainer Landerl: Reisefreudig wie Rudi Gutendorf oder eher sesshaft und auf Nachhaltigkeit bedacht wie Volker Finke in Freiburg oder Otto Rehhagel in Bremen?

Landerl: Ich weiß bis heute nicht, wie dieser Ausspruch in die Welt gekommen ist. Fakt ist, dass ich als Spieler nicht jeden Vereinswechsel forciert habe, aber es manchmal keine anderen Lösungen gab. Dass man in diesem Geschäft eine gewisse Flexibilität an den Tag legen muss, gehört einfach dazu.

Lohmühlen ECHO: Mit Stefan Richter, Moritz Marheineke, Dennis Wehrendt, Nils Lange, Marcello Meyer und André Senger stehen im jetzigen Kader sechs Jungs, mit denen du auch schon zusammengespielt hast. Ist es ein Vorteil, weil du sie genau kennst oder eher ein Nachteil, weil die nötige Distanz möglicherweise fehlt?

Landerl: Die oben genannten Spieler kennen mich ja auch. Natürlich kann es von Vorteil sein, dass man einander kennt, es ist aber nicht zwingend notwendig. Das Wichtigste ist der respektvolle Umgang miteinander. Wenn der vorhanden ist, sehe ich keine Nachteile.

Lohmühlen ECHO: Du trainierst in Österreich aktuell noch eine zweite Mannschaft, in Deutschland wird derzeit vielerorts über die Auflösung der zweiten Mannschaften diskutiert. Welchen Stellenwert wird die U21 des VfB bei dir haben, gerade im Hinblick auf die Durchlässigkeit zum Regionalligakader?

Landerl: Eine zweite Mannschaft macht ja nur dann Sinn, wenn sie ein Teil der Ausbildung des jeweiligen Klubs ist. Bei meinem jetzigen Klub ist es die Schnittstellenarbeit in den Leistungsfußball. Ich denke, dass im Falle des VfB Lübeck es durchaus sinnvoll ist, eine Zweitvertretung zu stellen, da für die meisten A-Junioren der Direkte Schritt in die Regionalliga doch groß ist. Am Beispiel von Mönchengladbach und Leverkusen sieht man aber auch, dass es andere Wege gibt. Schlussendlich muss jeder Verein für sich analysieren, welche Lösung für ihn am geeignetsten ist.

Lohmühlen ECHO: Und für die U19?

Landerl: Die U19 ist wie die U17 ein ganz wichtiger Teil der Ausbildung. Schließlich will man ja Spieler aus den eigenen Reihen und der Region fördern. Man muss den jungen Spielern vermitteln, dass mit der notwendigen Mentalität, Charakter und dem Talent der Weg in die erste Herrenmannschaft realistisch ist, und es attraktiv ist , für den VfB Lübeck Fußballspielen zu können.

Lohmühlen ECHO: Als Spieler hast du 2011 den Aufstieg in die Dritte Liga knapp verpasst, der Verein verfolgt dieses Ziel mittelfristig nun wieder. Welche Erfahrungen kannst du einbringen, damit es diesmal klappt? J

Landerl: Ich denke, wichtig ist, dass man das Team Schritt für Schritt weiterentwickelt, die Mannschaft punktuell verstärkt und jeder im und um den Verein Bock darauf hat, Teil des Geschehens zu sein. Die Nasen müssen alle in eine Richtung schauen. Wenn wir zudem auch weiterhin auf die tolle Unterstützung unserer treuen Fans bauen können, werden wir gemeinsam das mittelfristige Ziel Dritte Liga in Angriff nehmen können.

Von | 2016-02-16T16:56:56+00:00 16. Februar 2016|1. Herren|