1958: VfB deklassiert Werder Bremen

29.11.2012 von Florian Möller

VfB-Chronik Teil 8: Rolf Oberbeck glänzt mit vier Toren

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Am vergangenen Montag wurde Rolf Oberbeck mit überwältigender Mehrheit in den Aufsichtstat des VfB Lübeck gewählt. Bereits vor über fünf Jahren, Anfang August 2007, hatte ich das Vergnügen, Rolf Oberbeck zu treffen, um eines der größten Spiele der Vereinsgeschichte mit Oberbeck als Protagonisten noch einmal für unser damaliges Stadionheft AktuELF aufzuarbeiten. Anlässlich seiner Wahl am Montag holen wir diese Geschichte in unserer Chronik-Serie noch einmal hervor.

Es war der 30. März 1958, also vor vor fast 55 Jahren, als der VfB Lübeck den SV Werder Bremen vor 7.000 Fans auf der Lohmühle empfing – in der damals höchsten deutschen Spielklasse, der Oberliga Nord. „Es lag Schnee, Ball und Linien waren rot“, erinnert sich Dietmar Scholze, der ebenfalls vor vier Tagen in den Aufsichtsrat gewählt wurde. „Es war ein denkwürdiger Tag, wir waren mitten im Abstiegskampf und mit Werder Bremen war einer der Topvereine bei uns auf der Lohmühle zu Gast.“

Im Tor der Werderaner stand mit Dragomir Ilic einer der besten Torhüter der damaligen Zeit und dennoch musste Ilic an diesem verschneiten 30. März 1958 gleich acht Mal hinter sich greifen. „Ein Tor war schöner als das andere“, weiß Scholze noch heute, als wäre es gestern gewesen. Spieler des Tages war damals zweifelsohne Rolf Oberbeck. Der Torjäger der Grünweißen traf gleich vier Mal gegen den jugoslawischen Schlussmann, bereits nach zwei Minuten bezwang der heute 69jährige die „Katze“ im Bremer Tor zum ersten Mal. In der 35., 39. und 76. Minute setzte er die Glanzpunkte beim sensationellen 8:3 Erfolg.

„‚Teufels’-Raketen gegen Ilic, 8:3 für VfB“, titelte das Sport-Megafon in seiner damaligen Ausgabe, Sport-Journalist Ernst Werner schrieb von einer sensationellen Revanche der Lübecker für die 2:7 Hinspiel-Niederlage in Bremen und von Lübecker Spielern, die durch rote Hosen und rote Leibchen zu „Roten Teufeln“ verwandelt wurden.

Dem VfB hielt der Torjäger von damals immer die Treue, Anfang 1983 feierte er als Trainer der zweiten Mannschaft sogar einen Aufstieg. Auch heute verfolgt er das Geschehen rund um die Lohmühle immer noch intensiv und hat seinen Platz bei den Heimspielen der Grünweißen auf der Haupttribüne. Nach 27 Jahren bei den Stadtwerken Lübeck genießt Rolf Oberbeck heute seinen Ruhestand und denkt noch immer gerne an die alten Zeiten zurück. „Wir waren damals eigentlich nur Hobbyfußballer, jeder von uns hatte ja seinen Beruf“, so Oberbeck.

Trotz dieses grandiosen Erfolges musste der VfB nur eine Woche später den bitteren Gang in die Landesliga antreten. Nach einer 0:2 Niederlage vor 10.000 Zuschauern bei Altona 93, weil Lokalrivale Phönix am letzten Spieltag vor ebenfalls 10.000 Fans an der Travemünder Allee gegen Bremerhaven beim 2:2 den entscheidenden Zähler holte und so in der Liga blieb.

Bildunterschrift:

Rolf Oberbeck damals: „In diesem Moment schießt Oberbeck im 8:3-Spiel gegen Werder Bremen, plötzlich vorstoßend zur Mittelstürmerklasse, eines seiner vier Tore gegen Werder. Gegen diese Schüsse Oberbecks war für Ilic kein Kraut gewachsen!“ betitelte das Sport-Megafon das im Schneetreiben aufgenommene Foto.