VfB Chronik Teil 1

01.03.2012 von Thomas Nöllen

Lübecker Stadtderbys waren echte Zuschauermagneten (1)

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Der VfB Lübeck hat in seiner großartigen Historie viele interessante, spannende, schöne, tragische, traurige und witzige Geschichten geschrieben. VfB-Fan Thomas Nöllen hat sich intensiv mit der grünweißen Vergangenheit auseinander gesetzt, sich mit Zeitzeugen unterhalten und in Archiven gestöbert und ist dabei auf bekannte und sicherlich auch der großen Mehrheit unbekannter Geschichten gestoßen. Wöchentlich gibt es diese Geschichten nun hier auf unserer Website zum Nachlesen und schmöckern. Los geht es mit einer kleinen Serie zu den wahren Derbys, den Stadtderbys mit dem LBV Phönix.

In der Geschichte des VfB Lübeck (früher Sportvereinigung Polizei Lübeck e. V. von 1921) galten in Schleswig-Holstein zwei Vereine als die großen Rivalen der Grünweißen. Dies war zum einen die Kieler Sportvereinigung Holstein, in der Umgangssprache nur Holstein Kiel genannt, und zum anderen der Lübecker Ballspielverein Phönix (heute 1. FC Phönix) besser als LBV Phönix bekannt.

Die Spiele gegen LBV Phönix standen stets im Fokus der Öffentlichkeit und hatten immer eine gewisse Brisanz. Für jeden wahren Fan waren die Stadtderbys etwas Besonderes, vielleicht sogar die Spiele des Jahres, der Saison. In der Realität boten viele der im Vorfeld durch die Presse hochstilisierten Partien nicht das, was erwartet wurde. Von der spielerischen Qualität her boten die Mannschaften den Zuschauern oft nur durchschnittliche bzw. schlechte Leistungen an.

Sportliche Rivalität seit den 30er Jahren

Als Bezirksmeister der Saison 1929/30 gelang der Sportvereinigung Polizei, die ihre Spiele stets auf dem Kasernenbrink an der Fackenburger Allee austrug, als Zweiter der Relegationsrunde hinter dem Rostocker SC 1895 der Aufstieg in die neue Oberliga Lübeck/Mecklenburg.

Durch den Aufstieg trafen die Ordnungshüter erstmals in Meisterschaftsspielen auf den Lokalrivalen LBV Phönix. Die Sportvereinigung verlor zwar beide Derbys mit jeweils 2:5-Toren, wurde aber am Ende als Aufsteiger überraschend Zweiter hinter Oberliga Serienmeister LBV Phönix. Damit waren die Adlerträger weiterhin der führende Verein in der Hansestadt.

In der folgenden Spielzeit (1931/32) waren die weiß gekleideten Polizisten dann nicht mehr zu stoppen. Im direkten Duell siegte die Sportvereinigung nach einem 0:2-Rückstand noch mit 3:2 beim LBV Phönix auf dem Flugplatz. Das Rückspiel auf dem Kasernenhof endete nach dramatischem Verlauf – beide Mannschaften verschossen je zwei Elfmeter – 0:0 unentschieden.

Nach diesem Spiel, welches für jede Mannschaft das vorletzte der Saison war, standen beide punktgleich. Es wurde bereits ein Termin für ein Ausscheidungsspiel vereinbart, da es für die Verantwortlichen beider Vereine selbstverständlich war, dass beide Mannschaften ihr noch ausstehendes Punktspiel gewinnen würden. Doch es kam anders als gedacht.

Die Sportvereinigung gewann ihr Spiel gegen Oldesloe mit „Hängen und Würgen“ 1:0, doch der LBV Phönix spielte gegen den VfL Schwerin nur 0:0-Unentschieden. Damit waren die Polizisten erstmals Oberligameister und die Fußballhierarchie in Lübeck war auf den Kopf gestellt. Der LBV Phönix war das erste Mal nicht mehr die Nummer 1 der Stadt.

Die Rivalität zu Phönix ergab sich vor allen Dingen durch die Frage nach der besten Fußballmannschaft in der Hansestadt. Bis 1931 war dies eindeutig der LBV Phönix. Mit dem Gewinn der Meisterschaft 1932 trat die Sportvereinigung Polizei von 1921 e. V. erstmals aus dem übermächtigen Schatten der Adlerträger heraus. Von diesem Zeitpunkt an, von einigen wenigen Spielzeiten mal abgesehen, war die Sportvereinigung bzw. der VfB im Fußball der Vorzeigeklub der Hansestadt Lübeck.

Wenn Sie mir Ihre ganz persönliche VfB-Geschichte erzählen möchten, dann schreiben Sie eine E-Mail. An dieser Stelle möchte ich alle Fans des Lübecker Fußballsports bitten, uns Fotos aus den Stadtderbys zu schicken. Sie erreichen mich unter chronik@vfb-luebeck.de.

Mit grün-weißen Grüßen verbleibe ich für heute.

Ihr Thomas Nöllen

Geschichten dieser Art und noch viel mehr können Sie im Buch „Eine Liebe in Grün-Weiß“ nachlesen, das für 24,95 Euro in unserem Onlineshop und im Servicecenter erhältlich ist.