VfB Chronik Teil 2

07.03.2012 von Thomas Nöllen

Lübecker Stadtderbys waren echte Zuschauermagneten (2)

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Der VfB Lübeck hat in seiner großartigen Historie viele interessante, spannende, schöne, tragische, traurige und witzige Geschichten geschrieben. VfB-Fan Thomas Nöllen hat sich intensiv mit der grünweißen Vergangenheit auseinander gesetzt, sich mit Zeitzeugen unterhalten, in Archiven gestöbert und ist dabei auf bekannte und sicherlich auch der großen Mehrheit unbekannter Geschichten gestoßen. Wöchentlich gibt es diese Geschichten nun hier auf unserer Website zum Nachlesen und schmöckern. In der vergangenen Woche starteten wir mit einer kleinen Serie zu den wirklich wahren Derbys, den Stadtderbys mit dem LBV Phönix. Heute folgt der zweite Teil.

Der LBV war der Stolz des Bürgertums und finanziell den anderen Lübecker Vereinen überlegen. Voraussetzung für die Mitgliedschaft bei den Adlerträgern waren Abitur, entsprechende Kleidung und die Wahrung der Etikette. Nach Öffnung der SV Polizei für Zivilpersonen (Arbeiterschicht) war Diskrepanz zum „vornehmen“ bzw. elitären LBV offensichtlich.

Mit dem Gewinn der Oberligameisterschaft 1931/32 hatten die Polizisten die sportliche Wachablösung in der Hansestadt geschafft. Die abgelaufene Spielzeit wurde mit nur einer Niederlage beendet und diese erfolgte ausgerechnet gegen den VfR Lübeck (0:2), der anschließend mit der SV Polizei fusioniert wurde.

In der Folgesaison 1932/33 konnten beide Lübecker Mannschaften nicht überzeugen, aber die SV Polizei kam hinter Meister Schweriner FC 1903 auf den zweiten Platz. Für den LBV reichte es nur zum vierten Tabellenplatz und dies hatte Auswirkung auf die nächste Spielzeit.

Durch die Auflösung der Landesverbände wurde das bisherige Spielklassensystem in sechzehn Gaue neu eingeteilt. Jeder Gau erhielt seine eigene Liga, in der zehn Mannschaften vertreten waren. Die jeweiligen Gauligameister spielten den Deutschen Meister aus.

Die Gauliga Nordmark wurde aus den Oberligen Hamburg (5 Mannschaften), Schleswig-Holstein (2), Nordhannover (1) und Mecklenburg (2) gebildet. 1933/34 gingen somit der Eimsbütteler TV 89, der Hamburger SV, der Altonaer FC 93, die SpVgg Polizei Hamburg, der SC Union 03 Altona, die KSV Holstein, der FV Borussia 03 Kiel, der FC Viktoria 1910 Wilhelmsburg, der Schweriner FC 1903 und als einziger Lübecker Verein die Sportvereinigung Polizei in die erste Saison der Gauliga Nordmark. Der LBV musste fortan in der Bezirksklasse spielen.

Die Sportvereinigung wurde somit in Lübeck die uneingeschränkte Nummer 1 in der Fußballszene. Der LBV Phönix verschwand zunächst in der Zweitklassigkeit (Bezirksklasse). Dies führte dazu, dass zwischen beiden Vereinen eine Rivalität aufkam, die sich durch den Aufstieg des LBV zur Saison 1935/36 noch verstärkte. In nervenaufreibenden Derbys behielten die Polizeikicker durch einen 3:2-Sieg und ein 2:2 weiterhin die Oberhand in der Stadt.

Dies änderte sich auch in den folgenden Spielzeiten nicht. Die Polizisten hatten in den Derbys stets die Nase vorn. Bereits nach zwei Jahren musste der LBV wieder in die Bezirksklasse absteigen. Erst im Kriegsjahr 192/43 kam es wieder zu den Stadtderbys, die die Ordnungshüter gegen den Absteiger LBV mit 4:1 und 6:2 für sich entscheiden konnten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand als Nachfolger von BSV Vorwärts und SV Polizei der VfB Lübeck. Auf dem Burgfeld wurde mit dem Fußball spielen wieder angefangen. Der Kasernenhof der Pionierkaserne an der Schwartauer Landstraße mit seinem Grandplatz war der Ort, an dem die ersten Spiele ausgetragen wurden. Im ersten Spiel gegen den LBV Phönix spielten Wenzel, Hoppe, Hofmann, Kühn, Otte, Bannow und Halberstadt mit. Die Mannschaft hatte nur 7 Mann zur Stelle und lag schnell 0:4 zurück. Aus den anwesenden Zuschauern, zu denen auch Schulz und der spätere Ligaobmann Knaak gehörten, wurde die Mannschaft vervollständigt und so konnte noch ein 6:6-Unentschieden erreicht werden.

In der schleswig-holsteinischen Bezirksklasse Süd wurde der VfB 1945/46 vor dem LBV ungeschlagen Meister. In der darauf folgenden Saison (1946/47) spielten die Kontrahenten weiterhin in der Bezirksklasse Süd, allerdings in unterschiedlichen Staffeln. Der VfB kam erneut ohne Niederlage zu Meisterehren, der LBV schaffte ebenfalls den Gruppensieg.

Im Februar 1947 wurden neben VfB und LBV 15 Vereine zuzüglich zwei Qualifikanten bestimmt, die in einer KO-Runde zwei Teilnehmer für die Oberliga Nord ermitteln sollten. Bereits in der ersten Runde schied der LBV gegen den VfB Kiel (3:5) aus. Der VfB kam über TuS Nortorf (8:2) und ETSV Fortuna Glückstadt (6:0) in die Endrunde, die er vor der KSV Holstein ungeschlagenen beendete. Somit spielte der VfB in der Saison 1947/48 in der Oberliga Nord und der LBV in der Landesliga Schleswig-Holstein Ost.

Die Frage nach der besten Lübecker Mannschaft elektrisierte wieder Jahr für Jahr die fußballbegeisterten Massen in den Lübecker Mauern, doch Pflichtspiele beider Teams gab es erst wieder in der Landesliga-Saison 1950/51.

Wenn Sie mir Ihre ganz persönliche VfB-Geschichte erzählen möchten, dann schreiben Sie eine E-Mail. An dieser Stelle möchte ich alle Fans des Lübecker Fußballsports bitten, uns Fotos aus den Stadtderbys zu schicken. Sie erreichen mich unter chronik@vfb-luebeck.de.

Mit grünweißen Grüßen verbleibe ich für heute.

Ihr Thomas Nöllen

Geschichten dieser Art und noch viel mehr können Sie im Buch „Eine Liebe in Grün-Weiß“ nachlesen, das für 24,95 Euro in unserem Onlineshop und im Servicecenter erhältlich ist.