VfB-Chronik Teil 6: Siggi Bronnert

02.05.2012 von Thomas Nöllen

Mit dem VfB in die Bundesliga-Aufstiegsrunde

Siegfried Bronnert ist gelernter Mechaniker. Er wurde am 6. September 1944 in Aschenberg (Ostpreußen) geboren. Das Fußballspielen erlernte er beim TSV Wettmar. Über die Stationen TSV Wettmar, TuS Altwarmbüchen und TuS Celle kam Bronnert zur Saison 1965/66 zum FC St. Pauli.

Mit den Hamburgern wurde er Meister in der Regionalliga Nord und nahm an der Aufstiegsrunde zur Bundesliga teil. Der FC St. Pauli verpasste den Aufstieg nur we-gen des schlechteren Torquotienten gegenüber Rot-Weiß Essen. Aufgrund seiner Torjägerqualitäten wurde Eintracht Frankfurt auf ihn aufmerksam, und er wechselte in der folgenden Saison an den Riederwald. So hatte sich sein Traum von der Bundesliga erfüllt.

Sein Start war glänzend. In den ersten 16 Spielen erzielte er 12 Tore für die Ein-tracht. Dabei netzte er gegen den 1. FC Köln und den FC Schalke 04 jeweils dreimal ein. Im Spiel gegen den 1. FC Nürnberg wurde er vom damaligen Gegenspieler Tasso Wild so schwer am Rücken verletzt, dass er viele Monate ausfiel und sogar im Gipsbett lag. Ein geplanter Länderspieleinsatz gegen die Türkei in Essen war somit geplatzt. Nach der Verletzung war es schwer wieder Fuß zu fassen, und bei der Eintracht kam er nur noch als Einwechselspieler zum Einsatz. Nach 24 Bundesligaspielen und 13 Toren beendete er das Kapitel Bundesliga und schlug seine Zelte beim VfB Lübeck auf.

Sein alter Trainer Kurt „Jockel“ Krause war mehrfach in Frankfurt und konnte ihn von einem Engagement beim VfB überzeugen. Für die damals hohe Ablösesumme von 55.500 DM kam er an die Lohmühle. Bronnert war einer der wichtigsten Spieler im VfB-Kader. Mit seinen Toren trug er zum größten Erfolg des VfB bei, der Teilnahme an der Bundesliga-Aufstiegsrunde. Das deutliche Scheitern konnte auch er nicht verhindern. Aufgrund ausbleibender Gehaltszahlungen ging er in der Winterpause der Saison 1972/73 zurück zum FC St. Pauli, wo er erneut ohne Erfolg an den Aufstiegsspielen zur Bundesliga teilnahm.

1973/74 spielte er mit Göttingen 05 in der Regionalliga Nord, wo der Verein in dieser Spielzeit die Qualifikation zur 2. Bundesliga schaffte. Anschließend folgte ein Engagement beim KSV Baunatal, mit dem er 1975/76 in die 2. Bundesliga Süd aufstieg. Nach 55 Spielen und 12 Toren in der Zweiten Liga verließ er 1978 Baunatal und beendete beim VfR Osterode 08 seine Karriere.

Danach war er 27 Jahre als staatlich geprüfter Techniker für allgemeinen Maschi-nenbau tätig. Nebenher war er bei verschiedenen Vereinen als Trainer verantwort-lich. Fußball interessiert ihn heute nur noch am Rande, denn er ist begeisterter Skatspieler und hat 1998 den Skatverein „Grandhand“ mit gegründet.

Privat lebt er heute als Rentner mit seiner Familie in Hardegsen (Niedersachsen).

Kurzinterview:

Hallo Herr Bronnert, wie geht es Ihnen?

„Danke, mir geht es sehr gut. Ich lebe mit meiner Frau und meiner Familie in Hardegsen (Niedersachsen). Seit drei Jahren bin ich Rentner.“

Warum sind Sie damals vom Bundesligisten Eintracht Frankfurt zum Regionalligisten VfB Lübeck gewechselt?

„Meine ersten Spiele bei der Eintracht waren sehr erfolgreich, doch durch eine schwere Verletzung, wo durchaus die Gefahr bestand, dass ich nie wieder Fußball spielen kann, kam ich in Frankfurt nicht mehr zurecht. Ich fühlte mich auch nicht mehr wohl. Mein alter Trainer Jockel Krause kam nach Frankfurt. Es hat alles gepasst, und so bin ich nach Lübeck gegangen.“

Wer war Ihr bester Trainer?

„Mein bester Trainer war, und das sage ich nicht nur, weil er mich nach Lübeck geholt hat, Jockel Krause. Sein Training war abwechslungsreich. Wir haben viel gespielt, und er kam ohne Hilfsmittel (Medizinbälle) aus.“

Bei welchem Verein haben Sie sich am wohlsten gefühlt?

„Ganz klar beim VfB Lübeck. Wir waren eine Familie. Die Kameradschaft stand im Vordergrund und alle Spieler waren gleich. Es konnten eben nur elf spielen, aber die anderen waren auch immer mit Herzblut dabei. Wenn gefeiert wurde, waren unsere Frauen immer dabei. Das war eine sehr schöne Zeit. Ähnlich habe ich es dann nochmal beim KSV Baunatal erlebt.“

Verfolgen Sie die Entwicklung des Fußballs in Lübeck bzw. Deutschland?

„1965 habe ich den 4:0-Sieg von Bayern München beim Hamburger SV gese-hen. Seitdem bin ich Bayern Fan. Fußball interessiert mich nur noch am Rande. Ich schaue mir keine Spiele mehr im Stadion oder am Fernseher an. Meine ganzen Erinnerungen (Fotos, Zeitungsartikel) habe ich einem Fan vom FC St. Pauli geschenkt. Mein Hobby bzw. meine Leidenschaft ist das Skatspielen geworden. 1998 habe ich den Verein „Grandhand“ mit gegründet. In unserer Region war ich in meiner Altersklasse schon mehrfach Seniorenmeister und habe bei den Landesmeisterschaften den 5. Platz und bei den deutschen Meisterschaften den 12. Platz belegt. Da bin ich mit Freude dabei und nebenbei auch noch erfolgreich.“

Haben Sie noch Kontakt zu ehemaligen Mitspielern beim VfB?

„Nein, habe ich nicht. Mit Manfred Bomke habe ich mal telefoniert, aber sonst ist kein Kontakt mehr vorhanden.“

Reisen Sie noch gern?

„Oh ja. Wir machen regelmäßig Urlaub an der Ostsee in Scharbeutz und in Italien (Riccione). Dort können meine Frau und ich uns am besten erholen.“

Vielen Dank für das Gespräch. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute.

„Ich habe zu danken.“

Wenn Sie mir Ihre ganz persönliche VfB-Geschichte erzählen möchten, dann schreiben Sie eine E-Mail. An dieser Stelle möchte ich alle Fans des Lübecker Fußballsports bitten, uns Fotos aus den Stadtderbys zu schicken. Sie erreichen mich unter chronik@vfb-luebeck.de.

Mit grünweißen Grüßen verbleibe ich für heute.

Ihr Thomas Nöllen