Wenn am 19. April 2026 um 14 Uhr auf der Lohmühle das Lübecker Stadtderby zwischen dem VfB und dem 1. FC Phönix zum 150. Mal ausgetragen wird, ist das weit mehr als ein gewöhnliches Fußballspiel. Es ist ein Stück Lübecker Sportgeschichte – geprägt von Emotionen, Gegensätzen und unvergesslichen Momenten.

Die Wurzeln dieser Rivalität reichen zurück bis in die 1920er-Jahre. Während Phönix damals als führender Verein der Region galt und eher dem Bildungsbürgertum zugeordnet wurde, entwickelte sich der VfB aus der Arbeiterschicht rund um St. Lorenz. Diese unterschiedlichen gesellschaftlichen Hintergründe verliehen den Duellen früh den Charakter eines „Klassenkampfes“ – und machten sie zu besonderen Ereignissen für die gesamte Stadt.

Das erste Aufeinandertreffen fand 1924 statt, noch ohne große sportliche Bedeutung. Doch schon wenige Jahre später entwickelte sich eine echte Rivalität. Legendär sind bis heute extreme Ergebnisse wie ein zu der Zeit sensationeller 6:1-Sieg der Polizei-Elf (Vorgänger des VfB) 1928 oder die 13:1-Revanche des Phönix kurz darauf.

In den folgenden Jahrzehnten wechselte die Vormachtstellung in der Stadt mehrfach. Besonders intensiv waren die Duelle in den 1950er- und 1960er-Jahren, als beide Teams zeitweise in der höchsten norddeutschen Spielklasse spielten. Bis zu 20.000 Zuschauer strömten zu den Derbys, die oft über Tage hinweg Gesprächsthema in ganz Lübeck waren.

Auch abseits des Platzes war die Rivalität spürbar – Spielerwechsel zwischen beiden Vereinen galten lange als nahezu undenkbar. Und dennoch: Zu Beginn der 1970er Jahre verhinderte nur das Veto des DFB, dass der VfB und Phönix in einer Spielgemeinschaft zum 1. FC Lübeck zusammen kommen sollten. Vor Beginn der Saison 1973/1974 könne man auf keinen Fall über die rechtlichen Rahmenbedingungen einer SG entscheiden, hieß es von Seiten des Deutschen Fußballbundes. Der DFB-Bundestag beschloss wenig später, dass Spielgemeinschaften nicht in der 2. Bundesliga spielen dürften und begrub damit das Thema SG VfB/Phönix für immer.

In der Folge flaute die Bedeutung der Duelle trotzdem langsam ab. Unterschiedliche sportliche Entwicklungen führten dazu, dass beide Vereine seltener auf Augenhöhe aufeinandertrafen. Zwischenzeitlich schien die große Derby-Tradition sogar ganz zu verschwinden. In der Meisterschaft traf man letztmals für lange Zeit 1989 aufeinander (5:0), das Finale um den Bezirkspokal (ebenfalls 5:0) war für fast exakt 27 Jahre das letzte Pflichtspiel der beiden Stadtrivalen überhaupt. Am 11. Mai 2014 musste sich der Phönix-Adler in einem Kreisliga-Spiel auf der Lohmühle sogar der dritten Mannschaft des VfB geschlagen geben (1:2).

Im Oktober 2021 kehrte das “große” Stadtderby durch den Wiederaufstieg der Adler bis in die Regionalliga vor 6000 Zuschauern auf die Lohmühle zurück. Dort fanden auch die folgenden Derbys statt – selbst, wenn Phönix Heimrecht hatte. Im Landespokal 2023 wechselte der Standort erstmals, die Adler führten nun ein Derby auf dem Buniamshof durch und gewannen im Elfmeterschießen. Auch die beiden folgenden Derbys auf dem Buni blieben für den VfB ohne Sieg. Mit insgesamt vier VfB-Siegen, vier Unentschieden und zwei Phönix-Erfolgen ist die VfB-Bilanz seit dem Derby-Restart wie auch in insgesamt 149 bisherigen Derbys (83 Siege, 27 Unentschieden, 38 Niederlagen) positiv.

 

Foto: VfB Lübeck Archiv

By Published On: 16. April 2026Categories: 1. Herren
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