Beste Werbung für den Fußball, beste Werbung für den VfB. Auch wenn der Fußballgott am Ende nicht auf Seiten der Grün-Weißen war, konnten unsere Burschen nach weit mehr als zwei packenden Stunden Lohmühlen Fußball dennoch erhobenen Hauptes das Feld verlassen: Erst im Elfmeterschießen gelang dem Zweitligisten FC St. Pauli der Einzug in die 2. Pokalrunde.

Ausgangslage

Der VfB war mit drei Siegen in der Liga und einem Erfolg im Landespokal perfekt in die neue Saison gestartet. Der Motor der Kiezkicker hingegen stotterte bislang. Auf ein 1:1 in Bielefeld folgte eine 1:3-Niederlage daheim gegen die SpVgg Greuther Fürth.

Aufstellungen

Wie schon im Landespokal gegen Bordesholm durfte Lukas Raeder auch gegen den FC St. Pauli das Tor hüten. Nach dem 2:0-Erfolg über Lüneburg in der Vorwoche kehrten außerdem Tim Weißmann, Marvin Thiel, Ryan Malone und Florian Riedel in die Startelf zurück.

Highlights

Dieses Spiel hatte so unfassbar viel – eigentlich alles, was einen echten Pokal-Krimi ausmacht. Zwar hatte der Zweitligist über die gesamte Spieldauer mehr Ballbesitz, doch er traf auf echte Mentalitätsmonster, die sich, angepeitscht von einer begeisternden Kulisse, nicht nur in jeden Zweikampf hauten, sondern dazu auch noch gefällig nach vorne spielten.

Und gleich der erste Angriff der Grün-Weißen sollte die Lohmühle zum Brodeln bringen: Thiel schickte Arslan, der legte von der Grundlinie mit viel Übersicht zurück auf Deichmann, der, noch abgefälscht von St. Paulis Kapitän Buballa, schließlich zur 1:0-Führung traf (9.). Auf der anderen Seite hatte Diamantakos eine Halbchance per Fallrückzieher, Deichmanns Kopfball nach Hoins-Flanke verpasste das Gehäuse nur knapp.

Nach dem Seitenwechsel gelang dem VfB erneut ein Blitzstart. Hobsch war zunächst Nutznießer eines Knoll-Fehlpasses, über Arslan, der erneut ein gutes Auge bewies, gelangte der Ball zu Marvin Thiel, der, erneut abgefälscht, zum 2:0 traf (55.).

Die Kiezkicker brachten offensiv nicht sonderlich viel zu Stande, und doch kamen sie unerwartet schnell zurück ins Spiel. Sobota fiel der Ball auf den Schlappen und zog direkt in den Winkel zum 1:2 ab (63.). Und nur drei Minuten später verloren die Grün-Weißen St. Paulis Angreifer Diamantakos aus den Augen, der alleinstehend am Fünfer zum Ausgleich köpfte.

Doch der VfB ließ sich nicht abschütteln. Obwohl er durch die zwei schnellen Tore der Hamburger zunächst beeindruckt schien, konnte er in der Schlussphase der regulären Spielzeit noch einmal den Hebel umlegen. Dabei hatten sowohl Riedel als auch Mende allerdings das Glück nicht auf ihrer Seite, als sie im Strafraum zu Fall kamen, Schiedsrichter Frank Willenborg jedoch beide Male auf Weiterspielen entschied. Riedel sah dabei sogar noch unverständlicherweise die Gelbe Karte.

In der Verlängerung erwischte nun St. Pauli den besseren Start, Marvin Knoll köpfte die Gäste nach einer Ecke erstmals in Führung (93.). In der Schlussviertelstunde hätte St. Pauli sogar die Entscheidung herbeiführen können, doch Diamantakos kam zwar an Raeder vorbei, traf aber aus spitzem Winkel nur den Pfosten.

Und so blieb der VfB dem Zweitligisten lästig, gab einfach nicht auf und kam noch einmal zurück: Fernandes legte auf Arslan auf, der ein paar Schritte ging und ins lange Eck zirkelte – doch noch der Ausgleich, doch noch das 3:3! Unfassbar!

Doch dann sollten ausgerechnet den beiden Protagonisten, die den VfB ins Elfmeterschießen brachten, in selbigem die Nerven versagen. Arslan haute den ersten Elfer über das Tor, Fernandes scheiterte mit dem letzten Schuss an Himmelmann. Dazwischen parierte Raeder zwar gegen Hoffmann, hatte aber gegen Buchtmann unfassbares Pech. Und so stand trotz der verwandelten Elfmeter durch Malone, Matovina und Halke am Ende ein glücklicher Erfolg des Zweitligisten.

Fazit

Ein Klassenunterschied war über die gesamten 120 Minuten nicht zu erkennen. Der VfB lieferte einen überragenden Pokalfight ab und begeisterte die mehr als 10.000 Zuschauer, sofern sie es mit den Grün-Weißen hielten.

So gehts weiter…

Dieses unglückliche Ausscheiden aus dem DFB-Pokal gilt es nun ganz schnell aus den Köpfen zu bekommen. Schon am Mittwoch steht die wichtige Aufgabe in der Regionalliga Nord beim Aufsteiger Heider SV auf dem Programm. Anstoß ist um 18:30 Uhr.

Foto: Agentur 54 Grad

 

Das Spiel im Stenogramm:

VfB Lübeck: Raeder – Weißmann, Arslan, Deichmann (77. Fernandes), Thiel (83. Matovina), Grupe, Halke, Hoins (99. Schelle), Hobsch (70. Mende), Riedel.

FC St. Pauli: Himmelmann – Knoll, Hornschuh (78. Bednarczyk), Gyökeres (57. Lankford), Buchtmann, Myaichi, Möller Daehli (107. Hoffmann), Buballa, Diamantakos, Sobota, Conteh (67. Sahin).

Schiedsrichter: Frank Willenborg (Osnabrück)

Zuschauer: 10.978

Tore: 1:0 Deichmann (9.), 2:0 Thiel (55.), 2:1 Sobota (63.), 2:2 Diamantakos (66.), 2:3 Knoll (94.), 3:3 Arslan (115.).

Im Elfmeterschießen: 3:4 Sobota – 4:4 Malone – 4:5 Lankford, 5:5 Halke, 5:6 Buchtmann, 6:6 Matovina, 6:7 Knoll.

Gelbe Karten: Thiel, Malone, Halke, Riedel, Mende, Arslan – Buballa, Sobota, Lankford

Rote Karte: Diamantakos (120. wg. Nachtretens)