Am Samstagabend steht das 151. Lübecker Stadtderby auf dem Programm. Am 4. Spieltag der Regionalliga Nord empfängt der 1. FC Phönix den VfB Lübeck – allerdings nicht am heimischen Flugplatz, sondern auf der Lohmühle. Weil die Spielstätte der Adler an der Travemünder Allee derzeit nicht bespielbar ist, haben sich beide Vereine darauf verständigt, die Partie am Samstag, 15. August, um 19:00 Uhr im Stadion an der Lohmühle auszutragen. Phönix bleibt dabei offiziell die Heimmannschaft. Daher haben VfB-Dauerkarten für dieses Spiel leider keine Gültigkeit. Für beide Vertretungen aus der Hansestadt ist es zugleich ein immens wichtiges Duell in einer noch jungen Saison. Die Adlerträger haben nach drei absolvierten Begegnungen vier Zähler gesammelt bei einem Torverhältnis von 3:2, wodurch derzeit der achte Tabellenplatz belegt wird. Die Grün-Weißen vom VfB verbuchten aus ihren ersten drei Partien bisher zwei Unentschieden sowie eine Niederlage und rangieren mit zwei Punkten bei 2:4 Toren aktuell auf dem 14. Rang.

Dass das 151. Stadtderby auf der Lohmühle ausgetragen wird, sorgt für eine durchaus ungewöhnliche Konstellation. Phönix tritt zwar offiziell als Heimmannschaft auf, bestreitet das Spiel aber in einem Stadion, das die Heimat des VfB ist. Die beiden Vereine verständigten sich aufgrund des noch nicht bespielbaren Platzes des 1. FC Phönix auf diese Ausweichlösung, nachdem die Adler bereits wenige Tage zuvor ihr Heimspiel gegen den SSV Jeddeloh auf dem Rasen der Lohmühle ausgetragen hatten. 

Ein Blick auf die Geschichte des Gegners verdeutlicht die tiefen Wurzeln dieser Lübecker Fußballfehde. Gegründet im Jahr 1903 als LBV Phönix, gehört der Klub zu den ältesten Sportvereinen Lübecks. Über Jahrzehnte hinweg war das Lübecker Stadtderby zwischen dem VfB und Phönix weit mehr als nur ein sportliches Kräftemessen: Es war das prägende Duell zweier gesellschaftlicher Sphären innerhalb der Stadt. Während Phönix traditionell eher dem bürgerlichen Milieu der Hansestadt zugerechnet wurde, stand der VfB mit seinen tiefen Wurzeln im Stadtteil St. Lorenz historisch für die Arbeiterschaft. Diese gesellschaftlichen Gegensätze verliehen den Begegnungen bereits seit den späten 1920er-Jahren eine ganz besondere Würze und entwickelten sich schnell zu einer hochemotionalen sportlichen Rivalität.

Sportlich dominierten in der Frühphase zunächst die Adlerträger die Szene, ehe Anfang der 1930er-Jahre die damalige SV Polizei – der direkte Vorgänger des VfB – zur führenden Kraft aufstieg. Schon in dieser Epoche sorgten denkwürdige Ergebnisse für Schlagzeilen, wie etwa der 6:1-Erfolg der Polizei im Jahr 1928 oder die fulminante 1:13-Revanche von Phönix wenig später. Nach dem Zweiten Weltkrieg avancierte der Schlagabtausch endgültig zum Zuschauermagneten der Region. In den 1950er- und 1960er-Jahren strömten regelmäßig fünfstellige Fanscharen auf die Lohmühle oder an die Travemünder Allee. Begegnungen vor 15.000 oder gar 20.000 Zuschauern bildeten keineswegs die Ausnahme, sondern die Regel. Unvergessen bleibt die Oberliga-Saison 1957/58, als beide Teams erstklassig in der damals höchsten norddeutschen Spielklasse vertreten waren und sich packende Duelle auf Augenhöhe lieferten.

Nachdem die sportlichen Wege in den 1970er- und 1980er-Jahren auseinandergingen – ein geplanter Zusammenschluss beider Vereine scheiterte im Jahr 1973 – fiel Phönix zeitweise in tiefere Spielklassen zurück. Erst in der jüngeren Vergangenheit erlebte der Verein an der Travemünder Allee eine Renaissance. Mit dem Wiederaufstieg in die Regionalliga Nord entwickelte sich der 1. FC Phönix wieder zu einem ambitionierten Viertligisten.

Die laufende Spielzeit 2026/27 begann für die Adlerträger mit wechselhaften Ergebnissen. Nach einer 1:2-Auswärtsniederlage zum Saisonauftakt gegen die SV Drochtersen/Assel und einem anschließenden 2:0-Heimsieg gegen den SSV Jeddeloh auf der Lohmühle trennte sich die Mannschaft von Kevin Wölk am vergangenen Spieltag mit einem torlosen 0:0-Unentschieden vom Bremer SV. In einer von Kampf und taktischer Disziplin geprägten Partie gelang es den Phönixern zwar, defensiv weitgehend sicher zu stehen, defensivstarke Bremer ließen offensiv jedoch nur wenige klare Großchancen zu. Der VfB Lübeck hingegen sammelte am Dienstagabend Selbstvertrauen: Gegen den bisher verlustpunktfreien Tabellenführer und Meisterfavoriten VfB Oldenburg erkämpften sich die Grün-Weißen vor 3.172 Zuschauern auf der Lohmühle ein verdientermaßen herausgespieltes 1:1-Unentschieden. Nach einem frühen Rückstand durch Rafael Brand zeigte das Team von Kevin Rodewald Moral. Fabian Istefo glich kurz nach dem Seitenwechsel in der 49. Minute nach glänzender Vorarbeit von Daouda Beleme aus. In der Folge war der VfB die spielbestimmende Mannschaft und besaß bei einem Chancenverhältnis von 3:1 sogar die besseren Möglichkeiten auf den Siegtreffer.

Auf der Trainerbank des 1. FC Phönix hat sich vor der Saison ein personeller Umbruch vollzogen. Nach dem Ende der mehrjährigen Amtszeit von Christiano Adigo wurde Kevin Wölk zum 1. Juli 2026 offiziell als Cheftrainer ernannt. Der 41-jährige, gebürtige Oldenburger besitzt eine ganz besondere Verbindung zum bevorstehenden Derby, denn er trug in seiner aktiven Spielerkarriere selbst das Trikot des VfB Lübeck. Wölk, der in seiner Profilaufbahn unter anderem für Rot Weiss Ahlen, den SV Darmstadt 98, Hessen Kassel und Wormatia Worms auflief, absolvierte in zwei unterschiedlichen Etappen insgesamt 30 Pflichtspiele für die Grün-Weißen. Seine Trainerlaufbahn begann er beim Oldenburger SV und führte ihn anschließend für kurze Zeit zum FC Dornbreite, ehe er im Januar 2026 die U23 von Phönix in der Oberliga Schleswig-Holstein übernahm. Nachdem er ab Ende April 2026 bereits interimsweise bei den Regionalliga-Herren an der Seitenlinie stand, berief ihn die Vereinsführung im Sommer dauerhaft zum Chefcoach. 

Der Kader der Phönixer zählt 27 Spieler mit einem Durchschnittsalter von 24,0 Jahren. Eine zentrale Schaltungsstelle im Spiel der Gäste ist Fabio Maiolo. Der 29-jährige Italiener führt die Adlerträger als Kapitän auf dem Platz an und ist im defensiven Mittelfeld der unangefochtene Taktgeber. Der in Augsburg ausgebildete Abräumer bringt enorme Erfahrung mit: Neben Stationen in Bayern beim FV Illertissen und in Hamburg beim FC Teutonia 05 Ottensen sammelte er bereits vier Landespokalsiege in drei verschiedenen Bundesländern. Seit seinem Wechsel an die Travemünder Allee im Sommer 2024 hat sich der 1,82 Meter große Mittelfeldmotor unentbehrlich gemacht, was die Verantwortlichen 2025 mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung bis 2027 belohnten. Auch in der noch jungen Regionalliga-Saison stand Maiolo in allen drei Partien über die volle Distanz auf dem Rasen und steuerte bereits eine Vorlage bei.

Die jüngere Derbybilanz spricht unterdessen leicht für die Grün-Weißen von der Lohmühle. Seit der Rückkehr von Phönix in die Regionalliga lieferten sich die Stadtrivalen stets umkämpfte und enge Partien. Das denkwürdige 150. Stadtderby im vergangenen April entschied der VfB vor heimischer Kulisse mit 3:1 für sich, nachdem das Hinspiel im Oktober 2025 noch mit 0:2 an die Adler gegangen war. Zuvor gab es in der Regionalliga drei Unentschieden in Folge: ein 2:2 im April 2025 vor beeindruckender Kulisse von 6.799 Fans auf der Lohmühle, ein 1:1 im Oktober 2024 sowie ein weiteres 1:1 im Februar 2023. Im Sommer 2024 behielt der VfB zudem im Landespokal mit 2:1 die Oberhand. Unvergessen bleiben auch die klaren Erfolge aus dem Jahr 2022, als der VfB erst mit 4:1 und wenige Monate später im August sogar mit 4:0 triumphierte. In insgesamt elf Aufeinandertreffen – acht davon in der Regionalliga Nord und drei im Landespokal – konnten die Grün-Weißen fünf Spiele für sich entscheiden, während Phönix zweimal als Sieger vom Platz ging. Vier Begegnungen endeten mit einem Unentschieden. 

Am Samstagabend erwartet die Zuschauer auf der Lohmühle somit ein emotionales Stadtderby unter ganz besonderen Vorzeichen. Die Kulisse des Flutlichtspiels, die ungewohnte Heim-Auswärts-Konstellation und die sportliche Brisanz versprechen eine packende Atmosphäre.

Der Unparteiische Björn Behrens wird das 151. Stadtderby leiten. Unterstützt wird er von Alexander Schenkemeyer und Leo Heckmann.

Wenn der VfB Lübeck die Leidenschaft, den Mut und die defensive Stabilität aus dem Oldenburg-Spiel erneut auf den Platz bringt und vor dem gegnerischen Gehäuse die nötige Konsequenz an den Tag legt, stehen die Chancen bestens, die positive Derbybilanz weiter auszubauen und den ersten Punktspielsieg der Saison zu feiern.

By Published On: 13. August 2026Categories: 1. Herren
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