Es hat durchaus schon Zeiten gegeben, in denen ein Heimspiel gegen den BSV Schwarz-Weiß Rehden für die Lübecker zu einer Heimsuchung wurde. 1:4 hieß es beim ersten Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften auf der Lohmühle in der Saison 2014/15, 0:4 zwei Jahre später. Doch obwohl sich die Kräfteverhältnisse mittlerweile zugunsten des VfB verschoben haben, dürfte die Grün-Weißen ein intensives Spiel erwarten, da der BSV mit dem Rücken zur Wand steht.

Klein, aber fein – Achtungserfolge in Liga und Pokal

Die rund 2.000 Einwohner zählende Gemeinde Rehden, die sich inmitten eines durch die Städte Oldenburg, Hannover und Osnabrück gespannten Dreiecks befindet, hat zwischen 2013 und 2016 fußballerisch für Furore sorgen können. Nach dem Aufstieg in die Regionalliga Nord im Jahr 2012 bewegten sich die Niedersachsen zumeist in der oberen Tabellenhälfte. Hinzu kamen zwei Achtungserfolge in der jeweils ersten Runde des DFB-Pokals während der Spielzeiten 2013/14 und 2014/15.  

Die Gegenwart nimmt sich indes ein wenig nüchterner aus. Nach einem soliden Start in die neue Regionalliga-Saison befinden sich die Spieler um Trainer Benedetto Muzzicato seit dem fünften Spieltag im Tabellenkeller oder kurz davor.

Rehdens Misere: die Abschlussschwäche

Dass die Rehdener derzeit in den sportlichen Abgrund schauen müssen, ist angesichts ihrer defensiven Stabilität etwas erstaunlich. Mit aktuell 15 Gegentoren bewegen sich die Schwarz-Weißen für Ligaverhältnisse eigentlich in einem noch akzeptablen Rahmen. Zum Vergleich: Bisher haben die Regionalliga-Teams im Schnitt 15,4 Gegentreffer kassiert. Und überhaupt haben die Rehdener Niederlagen bis hierhin noch nicht den Charakter von Deklassierungen angenommen.

Das Grundübel des BSV ist und bleibt die Abschlussschwäche. Bei ihrem 2:1-Heimerfolg gegen die Reserve von Hannover 96 hatte es knapp 20 Minuten gedauert, ehe die Gastgeber erstmals das Tor des Aufstiegsaspiranten in Gefahr bringen konnten. Dementsprechend selbstkritisch kommentierte denn auch Rehdens Übungsleiter Benedetto Muzzicato die Partie gegen die jungen Roten: „Es war ein Schritt nach vorne, ja. […] Aber wir treffen im letzten Drittel noch viel zu häufig die falschen Entscheidungen.“

Ein qualitativ hochwertiger Kader

Inwieweit das Ausrufezeichen gegen Hannover 96 II wirklich das Prädikat „Trendwende“ verdient oder doch nur der Rubrik „Strohfeuer“ zuzuordnen ist, wird sich nach der Partie gegen den VfB zeigen.

Fakt jedoch ist, dass es den Vereinsverantwortlichen vor Beginn der Saison gelungen ist, eine Reihe an qualitativ hochwertigen Spielern in den Landkreis Diepholz zu lotsen. Einer der Bekanntesten aus Lübecker Sicht dürfte der heute 30jährige Michael Hohnstedt (zuletzt SF Lotte) sein, der zwischen 2009 und 2011 in Diensten des VfB gestanden hat.

In den Vorstellungen seines Trainers soll der gelernte Innenverteidiger nicht nur die junge, neuformierte Rehdener Mannschaft führen, sondern gleichzeitig auch verschiedene Rollen auf dem Platz ausfüllen: „Weil wir öfter zwischen der Vierer- und der Dreierkette variieren wollen, wird er mehrere Positionen einnehmen müssen.“

Neben Rolf Landerls ehemaligen Teamkollegen Hohnstedt sind noch 18 weitere, teils vielversprechende Kräfte zum BSV Rehden gestoßen. Zu ihnen zählen beispielsweise die aus den Nachwuchsabteilungen des SV Werder Bremen stammenden Shinji Yamada (24) und Jakob Lewald (19). Während sich der japanische Abwehrspieler durch Beidfüßigkeit und ein hohes Lauftempo auszeichnet, besticht der junge Mittelfeldspieler Lewald durch seine Physis.

Beide Ex-Werderaner haben in dieser Saison bereits elfmal in der Startelf gestanden und gehören somit zum Grundgerüst des neuen BSV.

Ein weiterer Spieler, der ebenfalls auf elf Einsätze zurückblicken kann, ist der 27jährige Yannis Becker, der vom niedersächsischen Fünftligisten TB Uphusen nach Rehden gewechselt ist. „Yannis“, so sein Trainer Muzzicato, „kann auf mehreren Positionen spielen […]. Ich sehe ihn als Sechser oder im offensiveren Part als Achter. Mit seinem super linken Fuß spielt er gute Pässe. Ein Mann für die gefährlichen Bälle, aber auch eine Alternative für die Viererkette.“

Variabilität und Rotation

Die Litanei der variabel einsetzbaren Fußballer ließe sich (fast) beliebig fortführen. Sie offenbart in jedem Falle, dass Trainer Muzzicato viel Wert auf Variabilität legt und gerne zur Rotation neigt. In der aktuellen Spielzeit sind Torwart Rico Sygo, die beiden Abwehrspieler Hohnstedt und Yamada, der Mittelfeldspieler Becker sowie die beiden Stürmer Anyamela und Menga die einzigen festen Größen der Rehdener gewesen. Da Muzzicato allgemeinhin als „Freund der Rotation“ gilt, wird er im Vergleich zum Hannover-Spiel sicherlich die eine oder andere Umstellung vornehmen.

Der VfB im Vorteil

Der BSV hat in der neuen Saison (erneut) einen massiven Personalumbau erlebt, in dessen Verlaufe 19 Neuverpflichtungen vorgenommen worden sind. Diese schnellstmöglich zu einem Kollektiv zusammenzufügen, stellt die größte Herausforderung für Trainer und Betreuer dar. Demgegenüber kann der VfB auf eine gewachsene Truppe zurückgreifen, die im heimischen Stadion noch ungeschlagen ist.