Vor etwas mehr als einer Woche noch dürfte der grün-weiße Anhang für die Jung-Rothosen nur Sympathien übriggehabt haben; hätte doch der HSV II mit einem Punktgewinn in Wolfsburg das Meisterschaftsrennen aus Lübecker Sicht wieder offen gestalten können. Am kommenden Montagabend (Anstoß 20:15 Uhr) aber würde es niemanden auf der Lohmühle sonderlich stören, wenn die Hamburger Jungs um Trainer Steffen Weiß wieder ein Gastgeschenk in Form von drei Punkten daließen.

Sportliche Stabilisierung nach einem verpatzten Saisonstart

Nach dem Abstieg des einstigen Liga-Dinos in die Zweitklassigkeit, war die HSV-Reserve in erster Linie mit Spielern aus der U19-Mannschaft aufgefüllt worden. Die Unerfahrenheit dieser doch sehr jungen Truppe führte denn auch dazu, dass das Team von Steffen Weiß zunächst den einen oder anderen sportlichen Rückschlag zu verkraften hatte. Vor allem zu Beginn der Spielzeit 2018/19 standen die Nachwuchskicker von der Elbe im Verdacht, dem negativen Beispiel der ersten Mannschaft nacheifern zu wollen. Bereits nach zehn Spieltagen waren auf der Passiva-Seite sechs Niederlagen zu verbuchen gewesen und gerade einmal vier Punkten trennten den damaligen Liga-Dreizehnten von der Abstiegszone.  

Dass sich seitdem einiges getan hat, ist nicht zu übersehen. Mit steigender Spielpraxis konnte die vor der Saison runderneuerte Truppe zu einem funktionierendem Ganzen zusammenfinden, das mittlerweile mehr als nur konkurrenzfähig ist. Zwei kleinere Informationen seien an dieser Stelle genannt, um den aktuellen Aufwärtstrend zu illustrieren:

Seit dem zehnten Spieltag hat der HSV II lediglich vier weitere Niederlagen verbuchen müssen. Das mittlerweile verbesserte Abwehrverhalten der Mannschaft hat hieran keinen unwesentlichen Anteil gehabt. Auch Torhüter Morten Behrens entwickelt sich immer mehr zu einem Rückhalt für seine Mannschaft; allerspätestens seit dem Wolfsburg-Spiel, als der Schlussmann der Jung-Rothosen sein Team „mehrfach im Spiel“ hielt.

Und: Die HSV-Reserve hat in der Rückrunde weitestgehend gegen die Großen der Liga überzeugen können. So gelang den Hamburger Jungs noch vor dem Jahreswechsel die Revanche gegen die KSV Holstein II, die den Jung-Rothosen im Herbst noch eine Niederlage beigebracht hatte. Und auch gegen die Favoriten Werder Bremen und Wolfsburg hatte man Wiedergutmachung betreiben können. Zur Erinnerung, beide Partien hatten aus Hamburger Sicht mit einem 0:4 geendet!    

Ein gefährlicher Gegner

Wenn der VfB am Montagabend auf der Lohmühle zum Tanz bittet, steht aus Lübecker Sicht einiges auf dem Spiel: Zunächst wird es für die Lübecker darum gehen, durch einen Sieg weiterhin Fühlung mit dem Ligaprimus Wolfsburg zu halten. Gleichzeitig bietet die Liveübertragung bei Sport1 dem Aufstiegsaspiranten die Gelegenheit, sich bundesweit wieder ins Gespräch zu bringen und für einen bodenständigen Traditionsfußball zu werben.  

Dass der HSV II zu einem runden Abend beitragen wird, indem er dem Gastgeber die drei wichtigen Punkte überlässt, müssen wir wohl – wie immer eigentlich – als Wunschdenken abtun. Bereits im Hinspiel hatten sich die Grün-Weißen ihren 1:0-Erfolg erarbeiten müssen. Und auch diesmal werden die Hanseaten von der Elbe wohl nicht Spalier stehen, wenn der VfB seine Erfolgsgeschichte fortschreiben will.

Und so könnte es aus Hamburger Sicht laufen: Der VfB wird, wie schon der VfL Wolfsburg II, frühzeitig angelaufen und so zu Fehlern gezwungen. Bei Ballbesitz in der eigenen Hälfte erfolgt der Spielaufbau über die Innenverteidiger Patrick Pfeiffer und Sebastian Haut, die dann den Mittelfeldspieler Mats Köhlert über die rechte Außenbahn in Richtung des gegnerischen Strafraums schicken. Einen erfolgreichen Durchbruch durch die Abwehrreihen vorausgesetzt, wird eine Flanke in den Sechzehner erfolgen.

Obwohl der VfB Lübeck über genügend spielerische Qualität und Erfahrung verfügt, um seinem Herausforderer die Grenzen des sportlich Machbaren aufzuzeigen, sei vor allem auf eines hingewiesen: die moralische Stärke des HSV II.

Besonders in der Partie gegen Wolfsburg sollte diese zutage treten, als die Jung-Rothosen vor einem drückend überlegenen Gegner nicht in Ehrfurcht erstarrten. Aus einer konzentrierten Abwehrleistung heraus ergaben sich für die Nachwuchskicker von der Elbe immer wieder Kontergelegenheiten, von denen eine zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung führte. Erst ein Foulelfmeter beendete das fußballerische Kräftemessen zugunsten des Tabellenführers aus der Autostadt.

Die Lübecker dürfen gewarnt sein.