Als der VfB Lübeck am 8. September 2018 die Nachwuchsabteilung des „kleinen HSV“ auf der heimischen Lohmühle empfing (Endstand 2:1 für den VfB), hatte die Partie aufgrund der damaligen Tabellensituation (Zweiter gegen Vierter) den Charakter eines Spitzenspiels besessen. Auch wenn mittlerweile 15 Punkte Differenz zwischen den beiden Mannschaften liegen, ist die Partie dieser beiden auch am Samstag wieder so etwas wie ein Spitzenspiel. Der VfB und 96 II haben in 2019 bislang alle Partien gewonnen, in der Rückrundentabelle empfängt der Fünfte den Zweiten.

Euphorisiert aus der Winterpause

Zum Jahresende hin war der Offensivmotor der jungen Roten ein wenig ins Stottern geraten, so dass das von Christoph Dabrowski trainierte Nachwuchsteam zwischen den 15. und 21. Spieltag einen empfindlichen Absturz erleben sollte. Nachdem die 96-Reserve in der Hinrunde fast kontinuierlich dem Spitzenquartett der Liga angehört hatte, fanden sich die Hannoveraner im Dezember 2018 plötzlich auf dem 12. Rang wieder. Mehr noch! Nur vier Punkte trennten die ambitionierten Niedersachsen von der Abstiegszone, so dass Handlungsbedarf bestand.

In der Winterpause ließ Dabrowski intensiv gegen regionale und überregionale Gegner testen, wobei sich die Bilanz durchaus sehen ließ: Zwei Niederlagen gegen den aktuellen Tabellenführer der Regionalliga West Viktoria Köln und die U21 des SC Paderborn (0:2 und 0:1) standen drei Siege gegen den TSV Pattensen (6:0), den HSC (6:1) und Arminia Hannover (3:0) gegenüber. Über die im Vorfeld dieser Partien geleistete Arbeit berichtete Übungsleiter Dabrowski auf der vereinseigenen Homepage: „Wir haben Defensivabläufe einstudiert und gefestigt. Effektivität und Zug zum Tor sind weitere Themen gewesen.“

Dass diese Trainingsschwerpunkte gut gewählt waren, hat mittlerweile auch ein Teil der Ligakonkurrenz erfahren müssen. Die jungen Roten haben ihre bisherigen vier Pflichtspielpartien gewonnen. Gegen den VfB Oldenburg gab es im Nachholspiel zum Auftakt einen 2:1-Erfolg, in den jeweils 90 Minuten gegen den SSV Jeddeloh II, Lupo Martini Wolfsburg und FC St. Pauli II entwickelten sich die Roten zu Minimalisten, siegten jeweils 1:0.

Besonders nach dem Sieg gegen die Oldenburger, die den Lübeckern die bisher höchste Saisonniederlage beigebracht haben (1:5), zeigte sich Trainer Dabrowski voll des Lobes für seine jungen Recken: „Was ich in der Vorbereitung gesehen habe, hat sich heute bestätigt. Die Jungs haben eine gute Dynamik drin, sind heiß und gewillt wieder Punkte zu holen und Spiele zu gewinnen.“

„Eddy“ ist zurück

Nicht minder froh zeigten sich Mannschaft und Betreuer über die Rückkehr des bislang dauerverletzten Edgar Prib. Letzterer war während der gesamten Partie im Oldenburger Marschweg-Stadion Dreh- und Angelpunkt des 96iger Spiels gewesen und hatte durch seine beiden Treffer in der 21. und 75. Minute das Spiel faktisch allein entschieden.

„Unabhängig von seinen Treffern“, so Dabrowski in der Rückschau über die Leistung seines Rückkehrers, „war er sehr aktiv im Ballbesitz, hat gut gegen den Ball gearbeitet und viele Situationen eingeleitet. Er hat der Mannschaft mit seiner Klasse eine gewisse Stabilität gegeben. Das freut mich, dass er nach der langen Leidenszeit doppelt trifft und das Spiel so entscheidet.“

Es geht aber auch ohne „Eddy“: In den drei darauffolgenden Siegen war Prieb nicht dabei – wieder aufgrund einer Verletzung.

Eine geschlossene Mannschaft, aber nicht frei vom Schlendrian

Die Hannoveraner haben im neuen Jahr bereits gezeigt, dass sie als kompakte Einheit agieren, die durch frühes Gegenpressing und schnelles Umschalten zum Torerfolg gelangen kann. Nach der erfolgreichen Partie im Ammerland hatte U23-Trainer Dabrowski lediglich einen einzigen Kritikpunkt: die mangelnde Chancenverwertung. „Ich hätte mir gewünscht, frühzeitig den Sack zuzumachen, damit mehr Ruhe im Spiel ist.“ Stattdessen musste der Hannoveraner Übungsleiter an der Seitenlinie hilflos mitansehen, wie der Oldenburger Lennart Madroch in der Nachspielzeit (90+3.) aus einer „unzureichend“ geklärten Standardsituation Kapital schlagen konnte. Kurzzeitig drohte das Spiel gar zu kippen.

Die Reserve der 96iger mag sicherlich keine Übermannschaft sein, gefährlich ist sie jedoch allemal.