Die zartbesaitete grün-weiße Unterstützerfraktion täte an diesem Wochenende gut daran, ihrer VfB-Fanausrüstung eine große Familienpackung Betablocker beizulegen. Denn mit dem drittplatzierten SC Weiche Flensburg 08 wird nicht nur ein berüchtigter Landesrivale auf der Lübecker Lohmühle aufschlagen, sondern auch ein Gegner, der den Lübeckern den Weg in die Drittklassigkeit verlegen kann und will. Ein richtungsweisendes Duell steht also am Samstag um 14 Uhr an!    

Hoffnung auf „eine tolle Saison“

Obwohl der Regionalliga-Meister der Saison 2017/18 verhalten in die neue Spielzeit gestartet ist, hat sich die Truppe um Trainer Daniel Jurgeleit zuletzt durch drei Siege und ein Unentschieden in die oberen Tabellenränge vorkämpfen können. Besonders hervorzuheben sind hierbei die Begegnungen gegen die Zweitvertretungen des HSV und des SV Werder Bremen. Während die Fördestädter den Jung-Rothosen die sportlichen Grenzen hatten aufzeigen können, reichte es gegen die Jung-Werderaner immerhin zu einem Unentschieden.

Die Lübecker werden am Samstag folglich auf einen Gegner treffen, der sich nach einem anspruchsvollen Auftaktprogramm durchaus auf Augenhöhe mit dem VfB wähnen darf. Und last but not least sollte nicht vergessen werden, dass sich der SC Weiche Flensburg am ersten Spieltag gegen den hochfavorisierten VfL Wolfsburg II ähnlich gut verkauft hat wie die Jungs von der Trave. 1:2 hieß es nach 90 Minuten aus Südschleswiger Sicht. Nachdem Kapitän Jürgensen sein Team zwischenzeitlich in Front gebracht hatte (30.), konnten die Jungwölfe durch Heuer (53.) und Iredale (75.) die Partie doch noch zu ihren Gunsten drehen.

Mit Genugtuung dürfte man daher wohl an der Förde die Niederlage der Hansestädter gegen die VfL-Reserve zur Kenntnis genommen haben; lässt sie doch, sofern man es mit den Flensburgern hält, auf ein ausgeglichenes Landesduell hoffen.

Hoffen ist auch das richtige Stichwort, sobald es um den derzeitigen Gemütszustand der SC-Weiche-Chefetage geht. Anlässlich der traditionellen Saisoneröffnungs-Pressekonferenz hatten sich Trainer Daniel Jurgeleit und Weiche-Geschäftsführer Harald Uhr zuversichtlich gezeigt, dass vor dem Verein „eine tolle Saison“ liegen könnte.

Genährt wird diese Hoffnung im Hohen Norden durch die zunehmende Professionalisierung des Trainingsbetriebs. Hatten die Übungseinheiten bisher immer um 19.00 Uhr stattgefunden, wurden diese jetzt erweitert und auf den Vor- und Nachmittag verlegt. Ein wichtiger Schritt in Richtung Halbprofitum sei damit vollzogen worden, so Harald Uhr im Juli gegenüber den lokalen Medienvertretern. Zudem sei der Kader „beinahe unauffällig stark verjüngt und auf ein höheres Leistungsniveau gehoben worden.“  

Flensburgs Neuzugänge: Danish Dynamite, Viertliga-Erfahrung und eine Abwehrkante

Verjüngung? Ginge es rein nach den Zahlen, die das Internetportal Transfermarkt.de dem Fußballinteressierten zur Verfügung stellt, so müsste Uhrs Aussage in Zweifel gezogen werden. Denn während der Weiche-Kader in der vergangenen Saison noch ein Durchschnittsalter von 25,3 Jahren auswies, zählen die Flensburger Kicker aktuell im Schnitt bereits 26,8 Lenze. Damit stellen die Fördestädter noch vor dem VfB Lübeck die älteste Mannschaft der Regionalliga Nord.

Wenn eine Verjüngung erfolgte, so geschah diese bei den Neuverpflichtungen: 22,5 Jahre zählen die sieben Neuen, die nun in Diensten der Flensburger stehen werden. Auffällig ist, dass immerhin drei der sieben Neuzugänge zuvor in Dänemark ihre Brötchen verdient haben. Während Innenverteidiger Ture Blaue zuvor für SønderjskE in der dänischen Jugendliga aufgelaufen war, hatten Casper Olesen und Jonas Andersen respektive in der dritten bzw. in der zweiten dänischen Liga auf Torejagd gehen können. Wir werden sehen, ob Danish Dynamite auch auf der Lohmühle zünden wird.

Daneben konnten die Weiche-Verantwortlichen mit Angelos Argyris (VfB Oldenburg), Julian Stöhr (SV Drochtersen/Assel), Fabian Graudenz (Energie Cottbus) und Tayfun Can (Eintracht Norderstedt) ein gehöriges Maß an Viertliga-Erfahrung gewinnen. Insbesondere die drei Erstgenannten haben beim SCW bereits ihren Startelfeinsatz feiern dürfen, wobei Argyris in der Abwehr, Stöhr auf Linksaußen und Graudenz im Angriff zum Zuge gekommen waren.

Der achte und letzte Neuzugang der Flensburger, der kurz vor Ende der Transferperiode ablösefrei vom Drittligisten SV Meppen verpflichtet werden konnte, ist der 30jährige slowenische Defensivmann Jovan Vidović. „Mit Jovan Vidović haben wir unseren Kader nun auch in der Defensive deutlich breiter aufgestellt“, so Weiche-Geschäftsführer Harald Uhr über sein neues Abwehrjuwel. „[…] Durch seine Kopfballstärke werden wir noch gefährlicher bei Standards sein.“

Neben 84 Drittliga-Partien kann der beidfüßige Innenverteidiger aus Ljubljana in seiner Vita auch auf fünf internationale Einsätze verweisen. Für den slowenischen Klub NK Maribor bestritt der 1,97 Meter große „Abwehrhüne“ drei Europa-League- und zwei Champions-League-Qualifikationsspiele. Ein Hauch von Europa könnte am Samstag die Lohmühle streifen!

Verlieren verboten!   

Die erste Heimniederlage des VfB seit dem 24. März 2018 hat nicht nur den Nimbus der „Festung Lohmühle“ beschädigt, sondern auch gehörig den Druck auf die Grün-Weißen erhöht. Eine Niederlage gegen die selbstbewussten Fördestädter würde zwar noch keine Vorentscheidung im Titelkampf bedeuten, wohl aber eine ungünstige Weichenstellung. Nomen est omen!