Der VfB Oldenburg hat eine unruhige Hinrunde hinter sich: Ende August löste die Umwandlung der ersten Herrenmannschaft in eine Gesellschaft mit begrenzter Haftung einen Fanboykott aus, dann wurde Anfang September Trainer Stephan Ehlers entlassen. Unter seinem Nachfolger Marco Elia stabilisierten sich die Blauen, verloren von neun Partien nur eine (1:3 daheim gegen Drochtersen/Assel) und punkteten gegen die Spitzenteams Holstein Kiel II, VfL Wolfsburg II (je 0:0) und zuletzt auch gegen den SC Weiche Flensburg 08 (2:2).   

Remis-Herbstmeister mit Potenzial

Es hat durchaus Zeiten gegeben, in denen jede Liste möglicher Drittliga-Aufsteiger unvollständig gewesen wäre, wenn der VfB Oldenburg auf ihr keine Erwähnung gefunden hätte. So sollten die Blauen während der Spielzeiten 2013/14 und 2015/16 respektive den dritten bzw. den zweiten Platz der Regionalliga-Schlusstabelle belegen.

Dass der Verein in dieser Saison bisher noch nicht an die Leistungen vergangener Tage anknüpfen konnte, hat sowohl strukturelle als auch handfeste sportliche Gründe: So wurde der heute 24 Spieler umfassende Kader im vergangenen Sommer um 15 Neuzugänge ergänzt, was wiederum die Bildung eines funktionierenden Kollektivs verzögerte. Gleichsam hat die Mannschaft um den neuen Übungsleiter Marco Elia allzu oft die letzte Konsequenz vor dem Tor vermissen lassen. Die Folge: Aus 17 Partien konnten nur 22 Punkte erkämpft werden, womit die Oldenburger aktuell den neunten Tabellenplatz belegen.

Besonders ärgerlich ist in diesem Zusammenhang, dass die meisten Punktverluste des VfB nicht auf Niederlagen, sondern auf häufige Punkteteilungen zurückzuführen sind. Tatsächlich weist die Statistik der Blauen nur drei Niederlagen aus! Demgegenüber stehen indes zehn Unentschieden, die dem niedersächsischen Verein in der Hinrunde der aktuellen Saison die unangefochtene Remis-Herbstmeisterschaft bescheren sollten.

Nichtsdestotrotz verfügen die Oldenburger über ein nicht zu verachtendes spielerisches Potenzial, das, sofern es zur Entfaltung gelangt, jeden Gegner vor ernste Probleme stellen kann; Niederlagen inbegriffen. Die Lübecker dürfen sich auf einen Gastgeber einstellen, der versuchen wird, die offensive Devise seines Übungsleiters Marco Elia umzusetzen: „flach, mutig, zielstrebig“.

Die Fähigkeit zur Improvisation

Der vergangene Sonntag hat nicht nur bewiesen, dass die Oldenburger Mannschaft über fußballerische Qualität verfügt, sondern darüber hinaus auch in der Lage ist, personelle Ausfälle adäquat zu ersetzen. Trotz des Fehlens des grippekranken VfB-Topscorers Gazi Siala (4 Tore) sowie der verletzten Pascal Steinwender und Pascal Richter konnten sich die Blauen im Flensburger Manfred-Werner-Stadion ein 2:2-Unentschieden erspielen.

Marco Elia hatte angesichts der angespannten Personallage reagiert und erstmals in dieser Saison seine traditionelle Vierer- zu einer ungewohnten Dreier-Abwehrkette umgruppiert. Die offensive Ausrichtung des „neuen“ VfB trug denn auch seine Früchte: Die Flensburger Meister hatten kaum Zugriff auf das Spiel und mussten schließlich in der 90. Minute durch ein umstrittenes Tor ihres 22jährigen Stürmers Nico Empen erlöst werden.

Das nächste schwere Spiel

Trainer Elia wird am Sonntag erneut eine Umstellung vornehmen müssen, da Mittelfeldmann Lennart Madroch gegen Flensburg seine fünfte gelbe Karte gesehen hat und somit gesperrt sein wird. Nichtsdestotrotz wird dem VfB Lübeck ein schweres Spiel bevorstehen, da die Gastgeber nicht zuletzt nach ihrem Erfolg gegen den amtierenden Meister mit breiter Brust auftreten werden. Des Weiteren wissen die Blauen seit dem ersten Spieltag der laufenden Saison, wie man den Grün-Weißen mindestens zwei Punkte entreißen kann. Für die Lübecker spricht in diesem Augenblick lediglich ihre Verfasstheit: Nach drei ungefährdeten Siegen, darunter gegen zwei direkte Aufstiegskonkurrenten, können die Recken um Trainer Rolf Landerl fest auf ihre taktischen und spielerischen Fähigkeiten vertrauen. Doch auch wenn der Aufstiegsaspirant über die Mittel verfügt, um im Marschweg-Stadion bestehen zu können, so wird diese Partie dennoch kein Selbstläufer werden.