Aus dem erhofften Endspiel um die Meisterschaft wurde es nichts. Der VfL Wolfsburg II rettete seinen Neun-Punkte-Vorsprung aus dem Winter am vergangenen Wochenende dann doch endgültig ins Ziel. Ein lockerer Saisonausklang ist jedoch nicht zu erwarten, der Fokus liegt schon ganz auf der Vorbereitung auf das Pokalendspiel am kommenden Wochenende.

Ein Jahr Regionalliga oder: als „der kleine VfL“ erwachsen wurde

Die Begrifflichkeiten Abstieg und Zufriedenheit mögen auf den ersten Blick wie ein ungleiches, ja unmögliches Paar anmuten. Es wird sich wohl kaum ein Unternehmer finden lassen, der angesichts des eigenen Bankrotts pfeifend das Büro verlässt, um draußen noch ein wenig den Sonnenschein zu genießen. Und auch der VfL Oldenburg bildet in dieser Hinsicht keine Ausnahme; obwohl sich der Abstieg des Vereins bereits relativ frühzeitig abgezeichnet hatte und somit nicht mit einem Blitz aus heiterem Himmel zu vergleichen gewesen wäre.

Nichtsdestotrotz können die Ammerländer auf das Geleistete stolz sein, zumal die Ausgangsbedingungen für die Elf um Trainer Dario Fossi bei Saisonbeginn alles andere als einfach gewesen waren. So hatten die Niedersachsen im Vorfeld der Spielzeit 2018/19 mit Rücksicht auf die eigenen wirtschaftlichen Fähigkeiten auf Neuverpflichtungen verzichten müssen. Lediglich die Stürmer Conrad Azong und Efkan Erdoğan waren als Verstärkung zu den Grün-Weißen gestoßen, wobei jedoch nur der erstgenannte dem VfL auch in der Oberliga die Treue halten wird. Erdoğan hingegen wird künftig im blauen Dress des Stadtrivalen VfB auflaufen und somit der Regionalliga erhalten bleiben.

Weit wichtiger war es für die VfL-Verantwortlichen gewesen, regional ein Ausrufezeichen zu setzen und somit langfristig auf sich aufmerksam machen zu können. „Der VfL Oldenburg“, so Trainer Dario Fossi in einem Interview mit der Nordwestzeitung im Sommer 2018, „ist jetzt nicht mehr nur der kleine VfL […]. Wir sollten und brauchen uns auch nicht mehr hinter den beiden anderen Regionalligisten VfB und SSV Jeddeloh verstecken. Wir sind mit bescheidenen Mitteln in die Regionalliga aufgestiegen […].“

Gut möglich, dass dieses Konzept auch in der nächsten Saison wieder aufgehen wird und die Ammerländer zum Dauergast in der vierthöchsten Spielklasse werden. Denn „der kleine VfL“ ist während seiner einjährigen Regionalligazugehörigkeit den sportlichen wie betriebswirtschaftlichen Kinderschuhen der Oberliga entwachsen.

Vom Vereinspräsidenten über den Trainer bis hin zu den Spielern und ihren Betreuern haben alle einen großen Erfahrungsschatz ansammeln können, der die Grundlage des baldigen Wiederaufstiegs bilden könnte. Besonders in sportlicher Hinsicht dürfte man im Hans-Prull-Stadion optimistisch sein. Chefcoach Dario Fossi, dessen Vertrag im März 2019 vorzeitig verlängert worden war, wird weitestgehend mit seinem aktuellen Kader weiterarbeiten können, wodurch die Grün-Weißen gegenüber ihren Fünftligakonkurrenten über erhebliche Vorteile verfügen dürften: Die Mannschaft ist eingespielt und verfügt über ein höheres Maß an Erfahrung und spielerischer Finesse als die übrigen Oberligisten. Hinzu kommt, dass Dario Fossi seine Spieler sehr gut kennt und somit ihr Leistungsvermögen entsprechend einzuschätzen weiß.

Im Hier und Jetzt: der Schwanengesang des VfL

Mögen sich am Horizont der Zukunft auch bereits die ersten Silberstreifen abzeichnen, so ist der Liga-Alltag der Oldenburger bisher ein fortwährendes Tiefdruckgebiet gewesen. Bis zum 32. Spieltag hatte der Stadtrivale des VfB Oldenburg nur sechs Spiele gewinnen können. Demgegenüber stehen 22 Niederlagen und vier Unentschieden, wodurch Dario Fossis Elf den Ruf eines Punktelieferanten erworben hat. Dieser Rolle kam der VfL vorzugsweise in der Fremde nach, und konnte abseits des eigenen Kunstrasenplatzes noch keinen einzigen Punkt in 16 Auswärtsspielen einfahren.

Dennoch muss jedoch, wie so häufig im Sport, stark angezweifelt werden, dass sich die Gäste aus Niedersachsen in ihr Schicksal fügen werden. Der sterbende Schwan, so eindrücklich dieses Bild auch sein mag, scheidet nicht durch die Hintertür aus dem Leben, sondern entfaltet seinen schönsten Gesang erst im Angesicht des nahenden Endes. Oder einfacher ausgedrückt: Der VfL Oldenburg wird nicht ohne großen Abgang die Regionalligabühne verlassen! Und ein Punkt zum Abschluss beim Vizemeister böte hierzu eine gute  Gelegenheit.

Fokus liegt auf dem Pokalfinale!

Diese Devise wird am letzten Spieltag der Saison 2018/19 mehr für den VfB gelten. Auf dem Papier stellen die Ammerländer gewiss keine unüberwindliche Hürde dar, indes ist es bisher noch keinem Gegner gelungen, den aktuellen Tabellenvorletzten mit einem Kantersieg vom Platz zu fegen. Dennoch wollen die Grün-Weißen auch das letzte Heimspiel erfolgreich bestreiten, um zumindest als bester Vizemeister dieser Regionalliga Nord ins Ziel einzulaufen. Einzig der Lokalrivale des VfL, der VfB Oldenburg, lief 2016 ebenso mit 74 Punkten und dem gleichen Torverhältnis, das der VfB aktuell schon hat, ein. Beide übrigens hinter dem VfL Wolfsburg II. Interessante Parallelen.

Mit einem Erfolgserlebnis soll es dann frischen Mutes ins wichtige Pokalfinale gegen den SC Weiche Flensburg am kommenden Samstag gehen.