Im Blickpunkt: VfL Wolfsburg II

//Im Blickpunkt: VfL Wolfsburg II

Im Blickpunkt: VfL Wolfsburg II

Nach dem 2:0-Erfolg beim VfL Oldenburg vor drei Wochen gab es im Umfeld des VfB Lübeck noch die kühne Hoffnung, bei einer Fortsetzung der Serie in den weiteren Auswärtsspielen im direkten Vergleich mit dem VfL Wolfsburg II gleichzuziehen und ein Meisterschaftsrennen auf Augenhöhe zu garantieren.  Der Plan ging nicht auf. Immerhin: Der 4:0-Erfolg in Jeddeloh am letzten Samstag lässt dem VfB bis auf Weiteres die Rollen des Außenseiters und Jägers. Und: Aus eigener Kraft kann die Landerl-Elf den Rückstand auf die Jungwölfe vor Weihnachten noch auf sechs Punkte verkürzen. Dies setzt ein Sieg gegen den VfL Wolfsburg II am Freitagabend (Anstoß 19:30 Uhr) voraus.

Die „Unwiderstehlichen“ geben sich die Ehre

„Irrésistibles Français“, unwiderstehliche Franzosen, lautet der Name des Fan-Clubs der französischen Nationalmannschaft. Und obwohl die „Bewegung“ bereits seit 2002 besteht, könnte der Name derzeit treffender nicht sein. Bis auf die Partie gegen die Niederlande vor zwei Wochen, ist der amtierende Weltmeister in allen Pflichtspielen erfolgreich gewesen. Selbst in aussichtslosen Lagen konnte gepunktet werden. Und an dieser Stelle drängt sich ein Vergleich mit der VfL-Reserve nahezu auf. Denn ähnlich wie die Équipe Tricolore hat die Wolfsburger Nachwuchsabteilung immer wieder ihre Klasse unter Beweis gestellt und somit ihre Titelansprüche untermauert.

Insbesondere das 2:1 am 18. Spieltag gegen die spielstarken Jung-Werderaner verdient in diesem Zusammenhang Erwähnung. Letztere hatten bis zur 82. Minute ihre 1:0-Führung verteidigen können, ehe Wolfsburgs Murat Saglam und Marcel Stutter innerhalb von elf Minuten die Partie zugunsten der Gastgeber drehten. Eine unwiderstehliche Mannschaft eben, die nun auch auf der Lohmühle ihre Siegesserie fortsetzen möchte.

Für Regionalliga-Verhältnisse eine Mannschaft der Superlative

Ein Blick auf das Zahlenwerk lässt bereits erahnen, vor welche herkulische Aufgabe der gastgebende VfB Lübeck am Freitagabend gestellt sein wird. Mit 52 Treffern und zwölf Gegentoren stellen die Jungwölfe nach 20 Spieltagen nicht nur die torgefährlichste, sondern auch die defensivstärkste Mannschaft der Regionalliga Nord.

Statistisch gesehen erzielt die VfL-Reserve in jedem Spiel 2,6 Tore und kassiert in den gleichen 90 Minuten lediglich 0,6 Gegentreffer. Die einzigen Mannschaften, die vor dem Wolfsburger Kasten weit mehr Gefahr haben ausstrahlen können, sind die Kieler Jungstörche sowie der SC Weiche Flensburg 08 gewesen. Während der KSV-Nachwuchs im Hinspiel viermal das runde Leder im VfL-Tor unterbringen konnte, gelang den Fördestädtern selbiges nur zweimal.

Mit Moral und Torgefahr von Sieg zu Sieg

Auch wenn der preußische Militärtheoretiker Carl von Clausewitz mit Fußball in etwa so viel gemein haben dürfte wie Autoquartett mit Poker, so sind seine Ausführungen über den „kriegerischen Geist“, sprich die Moral auch auf den Mannschaftssport übertragbar: „Der Soldat ist ebenso stolz auf überwundene Mühseligkeiten, als auf überstandene Gefahren. Also nur in dem Boden einer beständigen Tätigkeit und Anstrengung gedeiht dieser Keim, aber nur im Sonnenlichte des Sieges. Ist er einmal zum starken Baum ausgebildet, so widersteht er den größten Stürmen von Unglück und Niederlage […].“

Eben dies zeichnet den VfL Wolfsburg II in dieser Saison als Gesamtes aus. Sowohl gegen den SV Werder II als auch gegen den VfL Oldenburg lagen die Jungwölfe jeweils zurück, ehe sie die beiden Partien dank ihres Willens und ihrer Spielstärke drehten.

Hierbei konnte sich das Team um Trainer Rüdiger Ziehl immer auch auf den Torriecher seines Mittelstürmers Daniel Hanslik verlassen, der in der laufenden Saison bereits 17 Mal getroffen hat und somit die Torschützenliste der Regionalliga Nord anführt. Am Freitagabend auf deR Lohmühle allerdings fällt der Angreifer aufgrund seiner fünften Gelben Karte aus dem Kiel-Spiel aus.

VfL-„Eroberer“ gegen VfB-„Festung“ oder: Eine Serie wird reißen

Eine Gewissheit, auf die die Lübecker in dieser Saison bis jetzt vertrauen konnten, ist ihre Heimstärke gewesen. Das Stadion an der Lohmühle umweht seit März dieses Jahres der Nimbus der uneinnehmbaren „Festung“, an der vor allem die Favoriten gescheitert sind. Egal, ob Hannover 96 II oder St. Pauli II, ob Werder Bremen II oder der SC Weiche Flensburg 08; jeder Titelaspirant sah noch seine Träume im Jubelsturm der VfB-Fans versinken. Warum sollten nicht auch dieses Mal wieder Lübecker Leidenschaft und Spielwitz obsiegen und einen (dreifachen) Punktgewinn ermöglichen? 

Dass die grün-weiße Auswärtsschwäche sich bislang nicht negativ auf die Moral und die Heimbilanz auswirkt, hat der VfB nach den Pleiten in Havelse und Drochtersen bewiesen. So ist auch vor dem Spitzenspiel Optimismus angesagt. Auch, wenn der VfL Wolfsburg II die Konkurrenz derzeit deutlich auf Distanz hält: Mit dem 2:0-Erfolg über Holstein II am vergangenen Wochenende konnten die Jungwölfe ihrer Siegesserie bereits den neun Erfolg hinzufügen. Oder anders ausgedrückt: Die VfL-Reservisten wissen de facto nicht mehr, was das Wort Niederlage überhaupt bedeutet.

Droht also die Erstürmung der „Festung“ Lohmühle? Gut möglich, allerdings haben auch unsere sieggewohnten Gäste nicht jeden Sieg souverän eingefahren: Vor zwei Wochen konnte der Tabellenletzte VfL Oldenburg den Beweis erbringen, dass das von Rüdiger Ziehl trainierte Top-Team durch eine engagierte und couragierte Leistung zumindest vor Probleme gestellt werden kann.

Von | 2018-11-28T18:10:53+00:00 28. November 2018|1. Herren|