Der Ärger war auf Seiten des frühzeitig nach Hannover gereisten VfB-Trosses groß gewesen: Am 16. März hatte die Akademie der 96er relativ kurzfristig mitgeteilt, dass die für diesen Tag angesetzte Partie gegen den Tabellenzweiten aufgrund der Unbespielbarkeit des Platzes ausfallen müsse. Doch auch wenn dieser so nicht geplante Betriebsausflug in die niedersächsische Landeshauptstadt in finanzieller wie touristischer Hinsicht ein kompletter Reinfall gewesen war, so hatte er in zweierlei Hinsicht auch sein Gutes: Die überraschende Niederlage des Wolfsburger Tabellenführers hatte den Lübeckern bei einem Spiel weniger einen moralischen Vorteil verschafft und der heutige Gastgeber wirkt nach zuletzt zwei Niederlagen in Folge ein wenig angeschlagen.  

2019: Zwischen Euphorie und Erfolgsdelle

Dabei hatte das Jahr 2019 für die jungen Roten mehr als nur erfolgsversprechend begonnen. Nachdem der Offensivmotor der 96-Reserve zwischen dem 15. und 21. Spieltag ins Stottern geraten war, konnte das von Christoph Dabrowski trainierte Nachwuchsteam inzwischen wieder an die Erfolge des Saisonbeginns anknüpfen. Eine Siegesserie von fünf Partien bedeutete in der Endsumme vorläufig Rang 6 im Regionalligaklassement.

Dieser Erfolg kam nicht von ungefähr. In der Winterpause hatte Übungsleiter Dabrowski intensiv gegen regionale und überregionale Gegner testen lassen, wobei sich die Bilanz relativ überzeugend ausnahm: Zwei Niederlagen gegen den aktuellen Tabellenführer der Regionalliga West Viktoria Köln und die U21 des SC Paderborn (0:2 und 0:1) standen drei Siege gegen den TSV Pattensen (6:0), den HSC (6:1) und Arminia Hannover (3:0) gegenüber. Über die im Vorfeld dieser Partien geleistete Arbeit berichtete Übungsleiter Dabrowski auf der vereinseigenen Homepage: „Wir haben Defensivabläufe einstudiert und gefestigt. Effektivität und Zug zum Tor sind weitere Themen gewesen.“

Dass diese Trainingsschwerpunkte gut gewählt waren, hat vor allem das Team erfahren müssen, das den Lübeckern in dieser Saison die bisher höchste Niederlage beigebracht hatte: der VfB Oldenburg. Auf fremden Platz gelang es der Nachwuchsmannschaft aus der niedersächsischen Landeshauptstadt, drei wichtige Punkte zu entführen. „Was ich in der Vorbereitung gesehen habe“, so Übungsleiter Dabrowski nach der erfolgreichen Partie im Ammerland, „hat sich heute bestätigt. Die Jungs haben eine gute Dynamik drin, sind heiß und gewillt wieder Punkte zu holen und Spiele zu gewinnen.“

Die Lübecker sollten also am kommenden Mittwochabend einen Dreier nicht allzu fest einplanen, zumal Christoph Dabrowski dem VfB bereits im März ein rassiges Spiel versprochen hatte: „Es wird ein sehr intensives Spiel mit harter Zweikampfführung, Aggressivität und Emotionen werden – wie im Hinspiel. Doch das hat auch gezeigt, dass wir absolut auf Augenhöhe agieren. […] Wir werden versuchen, total dagegen zu halten, mit hoher Intensität und hohem Tempo, aber auch Lösungen in Ballbesitz zu haben, um den Gegner vor Probleme zu stellen.“

An der Einstellung dürfte sich grundsätzlich nicht viel geändert haben, auch wenn die jungen Roten ihre letzten beiden Partien gegen den BSV Rehden (1:2) und Werder Bremen II (0:2) verloren haben. Die Hannoveraner werden die Begegnung mit dem VfB Lübeck möglicherweise sogar noch ernster nehmen.

Eine geschlossene Mannschaft, aber nicht frei vom Schlendrian

Die Jung-96er haben im neuen Jahr bereits gezeigt, dass sie als kompakte Einheit agieren, die durch frühes Gegenpressing und schnelles Umschalten zum Torerfolg gelangen kann. Nach der erfolgreichen Partie gegen den VfB Oldenburg hatte U23-Trainer Dabrowski lediglich einen einzigen Aspekt zu bemängeln: die Chancenverwertung. „Ich hätte mir gewünscht, frühzeitig den Sack zuzumachen, damit mehr Ruhe im Spiel ist.“ Stattdessen musste der Hannoveraner Übungsleiter an der Seitenlinie hilflos mitansehen, wie der Oldenburger Lennart Madroch in der Nachspielzeit (90+3.) aus einer „unzureichend“ geklärten Standardsituation Kapital schlagen konnte und somit den 96ern ein mehr als nur unnötiges „Herzschlagfinale“ bescherte.

Die jungen Roten mögen sicherlich keine Übermannschaft sein, doch gefährlich sind sie allemal. Und dies umso mehr, da der Druck beim VfB Lübeck liegt.